Der Post- und Gepäckbahnsteig der Peterswalder Kreisbahn

Das Verkehrsaufkommen meiner meterspurigen Schmalspurbahn erreichte in den Jahren nach dem 2. WK ungeahnte Höhen. Berufs- und Schülerverkehr, Kohleversorgung der Bevölkerung, Kiestransport aus dem Anschließer Kiesgrube und der normale Personenverkehr mußten täglich bewältigt werden.

So entschloß sich die Leitung der noch privaten Bahn, die Postversorgung der Bevölkerung in den ländlichen Gemeinden zu übernehmen. Zu diesem Zweck baute man einen extra Post- und Gepäckbahnsteig, auf dem die Be- und Entladearbeiten ungestört vom übrigen Betriebsablauf erfolgen konnten.

Gleich zu Baubeginn der Anlage habe ich also so einen Bahnsteig mit vorgesehen und beim Gleisplan einen entsprechenden Platz mit eingeplant.

Nach dem die Abmessungen feststanden, habe ich eine Grundplatte aus 2mm Sperrholz gesägt und die Schnittkanten mit 1mm Balsaholzleisten umsäumt.  Darauf wurde eine 4mm dicke Gipsschicht gegossen, in die ich gleich eine Auffahrt mit eingearbeitet habe.

Die Balsa-Umrandung blieb nach Aushärtung des Gipses erhalten. Sie diente später der Darstellung einer von Pfosten gehaltenen Bretterstruktur als Bahnsteigkante.

Genau ausgemessen wurde vorher die Höhe der Bahnsteigkante und ihr Abstand zum Gleis, damit die Böden der Güter- und Gepäckwaggons (meistens ein kombinierter Personen- und Gepäckwagen) mit der Höhe des Post- und Gepäckbahnsteiges übereinstimmten.

Dadurch entfielen extra Auffahrten oder Stufen, die beim Beladen eher hinderlich sind.

Die Bediensteten können mit ihren Sackkarren oder anderen Transportwagen einfach vom Bahnsteig in den Waggon fahren.

Der Bahnsteig wurde auch nicht fest mit der Anlage verbunden, sondern blieb abnehmbar. So konnte ich den Bahnsteig auf meinem Arbeitsplatz weiterbauen. Auf seine Platz auf der Anlage wird der Bahnsteig mit Hilfe von Paßstiften gesetzt, um die genaue Position zwischen den Gleisen zu gewährleisten.

Der Weiterbau begann mit dem Einritzen der Kantensteine und der Platten.

Die Größe der Bahnsteigfläche stellte keine besondere Herausforderung dar.

Nach der farblichen Behandlung der Gipsoberfläche war der Unterbau des Bahnsteiges fertig.

Um die Überdachung herzustellen, fertigte ich mir aus einem Stück Fichtenholz Vierkanthölzer mit einer Stärke von 2,5mm.

Diese Hölzer entstanden zunächst auf der kleinen Proxon-Kreissäge mit einem quadratischen Querschnitt von 3mm. Die gesägten Hölzer habe ich dann einzeln an der Schleifmaschine auf den genauen Querschnitt von 2,5mm geschliffen.

Für das Bahnsteigdach habe ich kupferbeschichtetes Pertinax 1,5mm verwendet.

Materialreste vom Bahnsteigaufbau:

Erstaunlich, welche Mengen an Vierkanthölzern  für die Ständer und  die Dachbinder erforderlich waren. Da war die Dachfläche einfacher auszurechnen.

In den Gipsfoßboden wurden 2,5mm Löcher gebohrt und die senkrechten Träger aufgestellt/eingeleimt und mit den Längsträgern verbunden. Für die Dachbinder baute ich mir extra eine Vorrichtung,  damit die Winkel für die künftige Dachschräge überall gleich wurden.

Die auf Maß geschnittenen Dachplatten habe ich mit der kupferbeschichteten Seite nach unten auf die Dachbinder geklebt. Die Kupferbeschichtung diente anschließend gleich als elektrischer Leiter für die Bahnsteigbeleuchtung. Die Zuleitung erfolgte durch das Regenwasserfallrohr.

In das Dach habe ich dann noch Fenster eingearbeitet.

Für die Dachoberfläche habe ich 120er Schleifpapier aufgeklebt und mit ein paar Flicken versehen. Und dann präsentierte sich der Post- und Gepäckbahnsteig in voller Funktion: