Der Dampftriebwagen DWss 1

Das Orginal

Im Jahr 1907 beschaffte die Königlich-Württembergische-Staatseisenbahn von der Maschinenfabrik Esslingen einen Schmalspurtriebwagen für 750mm Spurweite.

Dieser Triebwagen lehnte sich konstruktiv an die damals schon existierenden Dampftriebwagen für die Regelspur an, besaß aber zur Verringerung der Achslast 2 Drehgestelle mit je zwei Achsen, von denen eine über eine Heusingersteuerung angetrieben wurde.

Nach erfolgreichen Einsätzen auf mehreren Schmalspurstrecken wurde der Dampftriebwagen 1927 an die Jagsttalbahn verkauft. Dort fuhr er als DT 203 noch bis in die 30er Jahre, bevor er zunächst umgebaut, als Personenwagen eingesetzt und 1937 ausgemustert wurde. BILD

(Mehr zum Orginal in den Literaturhinweisen)

Das Modell

Auf der Suche nach einem Schmalspurtriebfahrzeug zum Nachbauen bin ich bei genau diesem Unikat hängengeblieben. Bei meiner Recherche stieß ich natürlich auch auf die  Fa. Panier  , die diesen Dampftriebwagen als Bausatz und Fertigmodell anbot und habe deren Bauplan für dieses Modell in meine Konstruktionszeichnungen einbezogen.

Dieser Triebwagen fuhr zwar nicht in meiner bevorzugten Modellbauzeit (Epoche III) und auch nicht in meiner Spurweite, aber der DWss1 bot mir genügend Gelegenheit, mich in der Konstruktion von Fahrzeugen, Getrieben und dem Umgang mit dem Baumaterial Messing zu üben. Ich wollte endlich ein Fahrzeug von der ersten bis zur letzten Schraube selbst bauen. Deshalb machte ich diese Kompromisse bei der Nachbildung des Modells.

Ich betrachtete also so ein Fertigmodell von Panier und fragte mich: Wie kann ich das bauen ohne gegossene Weißmetallteile und ohne fräsen, ätzen oder 3D-Druck?

Zeichnungen, die ich anschließend auf der Grundlage der wenigen, vorhandenen Bilder anfertigte, sind durch einen Rechnerabsturz leider nicht mehr vorhanden. So werde ich versuchen, anhand von nur noch wenigen Bildern den Bauverlauf zu erklären.

Zur Anfertigung des Gehäuses im Rohbau und für das Fahrgestell habe ich ausschließlich vorhandenes Material aus der Bastelkiste genommen. 

Teil 1 - Das Fahrgestell

Begonnen habe ich den Bau mit dem Fahrwerk bzw. Fahrgestell. Diese Herangehensweise habe ich dann später bei anderen Triebfahrzeugen beibehalten.

Da waren zunächst die Drehgestelle, eines davon angetrieben, das zweite mußte wegen der unterschiedlichen Laufraddurchmesser von Lauf- und Treibachse (siehe unteres Bild) ohne Antrieb bleiben. Eine Einschränkung für die Adhäsion des Modellfahrzeuges, die ich leider nicht vermeiden konnte.

Hier ist das Antriebsdrehgestell und darunter das "dampfbetriebene" Drehgestell. Die Rahmenwangen habe ich aus 1,5mm Messingblech ausgeschnitten, gefeilt und zusammengelötet. Obendrauf kam mittig ein Ring, den ich mit der Drehmaschine gedreht habe. Dieser Ring war Führung für die Drehgestelle im Boden des Fahrgestells, der mit entsprechenden kreisförmigen Ausschnitten versehen war. Am Ring selbst wurden Löcher und Nuten für den Klemmring aus Messingdraht eingebracht, damit das Drehgestell mit dem Fahrgestellboden verbunden blieb.

Das Antriebsdrehgestell bekam Bohrungen für die Aufnahme der Achsen und der Schneckenwelle, während am "Dampfdrehgestell" Zylinder, Steuerungsträger und Kreuzkopfgleitbahnen montiert wurden.  Zum Herstellungs-verfahren von Zylinder, Kreukopf und Gleitbahnen:

Zwei im Durchmesser gleichgroße Rundprofile 6x5mm und 6x3mm wurden mittig mit einem 0,5mm - Bohrer aufgebohrt, danach übereinandergelegt und die 2 Löcher für die Gleitbahnen gebohrt, damit sie total deckungsgleich sind. Anschließend habe ich aus dem kleineren Rundprofil den Kreuzkopf gefeilt, die Kolbenstange eingelötet und ein 0,5mm großes Loch für den Kreuzkopfbolzen gebohrt. (Siehe Zeichnung)

Dann wurden die Kreuzkopfgleitbahnen - zwei 0,5er Messingdrähte -  in das größere Rundprofil - also den Zylinder - eingelötet. Ihre Länge richtete sich nach dem Kurbeldurchmesser des Antriebsrades plus halbe Breite des Kreuzkopfes. Die erste Funktionsprobe gelang, der Kreuzkopf mit der Kolbenstange glitt zwischen den Gleitbahnen problemlos hin und her. Die Treibstange habe ich aus 0,5er Messingblech ausgesägt, gebohrt und gefeilt. Dann wurde sie mit einem Stück Angelschnur als Kreuzkopfbolzen fest mit dem Kreuzkopf verbunden. (Erklärungen zum Einsatz von Angelschnur als Gelenkbolzen siehe "Die neue Modellbahnwerkstatt", Gera-Mond-Verlag GmbH, Seite 299)

Der über dem Zylinder liegende, angedeutete Schieberkasten wurde aus einem Stück massiven Messing hergestellt, in das ich vorher ein 6mm-Loch gebohrt hatte. Diese Lochinnenfläche diente gleichzeitig zur Befestigung der Zylinder.

Der Steuerungsträger entstand aus einem 0,8mm starkem Messingblech. Er wurde an die Drehgestellwangen angeschraubt und vorher die Bohrungen für die Kreuzkopfgleitbahnen eingebracht.

Auf eine komplette Darstellung der Heusingersteuerung mit Schieberkreuzkopf, Schwinge  und allen Steuerstangen habe ich bewußt verzichtet.

Die Radscheiben aller Achsen stammen von TT-Dampflokomotiven, bei denen für ihre neue Verwendung (außer bei der Treibachse) die Speichen zugespachtelt wurden.

Das fertige, aber demontierte "Dampfdrehgestell", hier leider schon im teilfarbigen Kleid.

Auf diesem Bild kann man sehr schön die angeschraubten Steuerungsträger erkennen, an die  gleichzeitig Schieber und Zylinder angelötet wurden.

Auch ein Bodenblech zur Vermeidung von Schmutz wurde mit zwei M2-Schrauben angeschraubt und hält von unten alles dicht.

An beiden Drehgestellen wurden Schmalspurkupplungen angebracht, wo mit Hilfe von Kuppelbolzen noch Waggons angehängt werden können.

In den Führungsring der Drehgestelle habe ich zwei halbrunde Messingbleche mit 2 K-Kleber eingegossen, an denen von unten die Zuleitungen von den Stromabnehmern angelötet waren und auf die im zusammengebauten Zustand die Bronzefedern drücken, die den Kontakt zum Motor herstellen. Durch diese Bauweise konnte ich wild herumliegende Kabel vermeiden und auch die Demontage ging so viel schneller von statten, weil kein Kabel abgelötet werden mußte. Mit der Pinzette den Federring herausdrücken und schon fällt das Drehgestell nach unten raus. Im nebenstehenden Bild kann man auch sehr schön die Schneckenwelle mit dem angefeilten Steckstift für die Kardanwelle erkennen, die beide ebenfalls aus TT-Fahrzeugen "entwendet" wurden.

Für die Achslagerblenden, auch von TT-Personenwaggons, sind Haltewinkel an der Bodenplatte, an die diese Achslagerblenden angeleimt wurden.  Damit war der konstruktive Aufbau der Drehgestelle abgeschlossen.

Und nun zum Chassis, dem Rahmen und der Bodenplatte des DWss1

Die Bodenplatte des DWss1 mit ihren Ausschnitten ist aus 1,5mm Messingblech entstanden. Für die an der Außenkante angelöteten Fachwerklängsträger habe ich ebenfalls 1,5mm dicke Messingstreifen mit einer Breite von 4mm ausgeschnitten und abschnittsweise ausgefeilt, um die senkrechten Holme darzustellen. (Bild unten links)

An der Unterseite installierte ich noch den  Hauptbrems-zylinder (rechtes unteres Bild, rechts) und den Wassertank.

Der Wassertank besteht aus 0,5mm abgewinkelten Blech und ist mittels 4 federnden Stahlhalbkugeln anklipsbar, denn unter im befindet sich das Getriebe mit dem Lagerbock für die Kardanwelle, wie das im

linken Bild sichtbar wird. Die Welle hat ebenfalls einen angearbeiteten flachen Zapfen zum Aufschieben der Kardanwelle.

Rechts und links kann man die geflanschten Zuleitungen vom Wassertank zu den Wasserpumpen im Führerhaus erkennen.

An die Stirnseiten  kamen Quertraversen, die der Versteifung der Fahrwerkes dienten.

Zwei M2-Schrauben dienen der Gehäusebefestigung.

Die Aufstiege sind Feingußteile der Fa. Weinert.

Auf die Oberseite, also praktisch in den Innenraum des DWss1, kam der Motor mit zwei ausgewuchteten Schwungmassen und angefertigtem Haltewinkel. Der Motor ist ein Langsamläufer mit seinen 8000 U/min und stammt aus China. Auf die Motorwelle ist ein Ritzel mit 11 Zähnen aufgepreßt. Über ein Zwischenzahnrad gelangt der Drehmoment des Motors auf die Kardanwelle und über die Schnecke auf die Antriebsachsen des hinteren Drehgestells.

Das Übersetzungsverhältnis beträgt 1:43. Damit kann der DWss1 in einer Minute 6,15 zurücklegen, das entspricht etwa 32 Kmh und liegt im Bereich des Vorbildes.

Für das Führerhaus habe ich eine Stehkesselatrappe gedreht, aber aus Platzgründen nur eine Hälfte  senkrecht verlötet.

Auf den Boden kamen kupferkaschierte Pertinaxstreifen, auf die die Bronzefedern für die Drehgestelle gelötet sind und die wiederum über Bronzefedern die Stromversorgung zum Motor übernehmen. Damit bleibt der Innenraum des DWss1 kabelfrei. (Oben im Bild sehr schön zu sehen)

Allerdings muß gesagt werden, daß ich mit dieser Konzeption des Antriebes  keine Möglichkeit mehr habe, den Innenraum - zu dem es allerdings auch keine belegbare Dokumentation gibt - entsprechend zu gestalten. Da müssen ein paar Preiserlein hinter den Fenstern oder im Führerhaus ersatzweise reichen.