Der Dampftriebwagen DWss 1

Teil 2     Das Gehäuse

Die vier Seitenteile des Gehäuses habe ich auf 1,5mm Messingblech aufgezeichnet und ausgesägt. Die Fenster und Einstiege wurden innerhalb des Anrisses an den Ecken aufgebohrt und anschließend ebenfalls ausgesägt. Danach kam das auf Maß feilen und die Herausarbeitung sauberer 90°-Ecken. Für den Innenraum fertigte ich 2 Trennwände an.

Mit Hilfe von Winkeln und einem leistungsstarken Lötkolben wurden dann diese Seitenteile zusammengefügt und die äußeren Ecken abgerundet.

Das Dach entstand ebenfalls aus 1,5mm Messingblech. Den ungleichmäßigen Radius des Daches erzielte ich, in dem ich das Blech auf eine Hartgummiunterlage legte und mit Hilfe eines Stücks verzinktem Wasserrohr und einem Hammer mit leichten Schlägen den Radius herausarbeitete. Für den kleineren Radius an den Dachseiten verwendete ich ein Stück 10mm- Vollprofil aus Stahl.

Als der Dachradius stimmte, feilte ich an den Dachenden eine leichte Rundung mit dem Eindruck eines nach vorn und hinten abfallenden Dachs. Material dazu war durch die Wahl des 1,5mm starken Bleches genügend vorhanden.

Erst jetzt kam die Öffnung mit einem Durchmesser von 15mm für den oberen Abschluß des Stehkessels in das Dach. Dafür kann man bei diesem Durchmesser und der Materialstärke von 1,5mm natürlich keinen 15mm-Bohrer nehmen.  Also auf 5mm aufgebohrt, ausgesägt und dann mit dem Bohrzwerg auf Maß geschliffen. Hätte ich das vor dem Ausrunden des Daches gemacht, wäre das Loch anschließend oval geworden. Der obere Stehkesselabschluß mit dem kurzen Schornstein entstand auf der Drehmaschine und wurde in die ausgearbeitete Öffnung eingelötet. Er hat rein bautechnisch nichts mit dem darunter liegenden Stehkessel zu tun, nimmt aber eine der zwei M2-Schrauben auf, mit denen das Gehäuse auf das Fahrwerk geschraubt wird.

 

Die Dachlüfter waren eine Fleißarbeit auf der Drehbank, wobei es bei solch kleinen Teilen auf der Heimwerkerdrehbank nicht einfach ist, immer die gleiche Maße und damit identisches Aussehen zu garantieren. Auch sie wurden schließlich auf dem Dach in vorgebohrte Löcher gesteckt und verlötet.

Bei diesen Arbeiten sind Feilen aller Profile zum Schrubben und Schlichten, vor allem aber Nadelfeilen, unverzichtbar. Ebenso erforderlich ist wegen der Materialstärke ein Gasbrenner zum Flammenlöten, ein leistungsstarker Lötkolben (min. 80 Watt) und Phosphorsäure als Flußmittel.

 

Damit sah dann das Gehäuse im Rohbau folgendermaßen aus:

Auf den Bildern ist die Zurüstung schon etwas weiter fortgeschritten. Angebracht wurden inzwischen:


- die Laufbretter auf dem Dach für Arbeiten am oberen Abschluß des Stehkessels. Für die Imitation von Holzbohlen wurde das Messingblech mit Längsfugen versehen.

- die Halteösen für die Zugstangen, die es dem Lokführer gestatteten, den Triebwagen auch von der hinteren Plattform zu bedienen.

- die schiebbaren Seitentüren für den Gepäckraum mit der oberen Laufleiste und den erforderlichen Handgriffen.

- die Halbtüren zum Fahrgastraum und zum Führerstand.

- die Handstangen an den anderen Einstiegen und Übergängen sowie

die beiden Zwischenwände zur Trennung des Fahrgast- und Gepäckraumes vom Führerstand des Triebwagens.

 

Die Führerstände vorn und hinten erhielten eine Beleuchtung, die über Federkontakte zu den kupferkaschierten Pertinaxplatten auf dem Boden des Triebwagens den Strom zuführen, also keine Kabel erforderlich machen. Der Kontakt wird automatisch beim Aufsetzen des Gehäuses auf das Fahrgestell hergestellt.

 

Das Fahrzeug hat jetzt ein Gewicht von knapp 500 gr., fast gleichmäßig auf alle Achsen verteilt und hat deshalb auch keine Probleme mit zwei oder drei angekuppelten Waggons, obwohl es diese Situation damals beim Vorbild kaum gab.

Nachdem Teile des Fahrwerkes bereits Mattschwarz lackiert waren wurde es Zeit, dem DWss1 seine endgültigen Farben zu verpassen.

Ich habe mich nach Abwägung der bereits eingangs erwähnten historischen und technischen Fakten für eine Farbgebung nach Reichsbahnfarben entschieden. Der DWss1 wird also ein fiktives Fahrzeug sein, an dessen Beispiel man aber wunderbar die Anfänge der Triebwagenzeit bei den Privat- u. Länderbahnen und der DRG erklären kann. Wer sich besonders dafür interessiert, dem empfehle ich die inhaltlich hervorragend gestaltete Homepage von U. Kalina:

Reichsbahntriebwagen

 Der Plan, mir bei diesem Bau Wissen und Fertigkeiten zum Modellbau anzueignen, ist aufgegangen. Vor allem konnte ich bei der Konstruktion des Getriebes, beim Löten/Hartlöten von massiven Metallen, beim Umgang mit Minibohrern oder Fräsern und beim Gewindeschneiden viel dazulernen.

Es war toll zu sehen, daß der DWss1 all die vielen Erwartungen an eine hohe Fahrkultur in vollem Umfang erfüllte. Deshalb belohnte ich ihn (und mich) mit einer Spritzlackierung mit Farben von Weinert, die ihn wie ein richtiges Triebfahrzeug aussehen ließen:

 

Die Grundierung

 

Das fertige Modell

Und noch ein Schnappschuß vom Einsatz auf meiner Anlage