Baubericht zur Malletlok 99 5714   -   Seite 3

Nachdem das "Grundgerüst" stand, ging ich daran, den vorderen Kesselabschluß - also die Rauchkammer - und die darunterliegenden Bauteile wie Rahmenquertraverse, die Stoßeinrichtung und Schienenräumer zu bauen. Die Schwierigkeit bestand darin, daß ich Quertraverse und Schienenräumer nicht an den eigentlichen Lokrahmen bauen konnte, da das große Riemenrad jede Verbindung zum Rahmen verhinderte. Die einzige Möglichkeit, diese Bauteile anzubinden, war der Kessel und die Rauchkammer.

Ich fertigte ein Universalblech an, mit dem ich die Rauchkammer verschließen konnte und das nach unten Quertraverse und Schienenräumer nachbilden konnte. Obendrauf lötete ich gleich die Rauchkammertür.

Gleichzeitig sollte dieses Blech das große Riemenrad verdecken.

Wie man erkennen kann, war dieser Zweck erst mal erfüllt.

Die "Löcher" zwischen Wasserkasten und Kessel habe ich bewußt offen gelassen. Durch sie werden später die Litzen zur Beleuchtung der Loklaternen nach innen geführt. Der Rest wird verspachtelt.

Die Unterkante des Bleches hat bereits die richtige Höhe über Schienenoberkante, so daß daran die Schienenräumer montiert werden konnten.

Der große Querriegel wird später die Stoßeinrichtung aufnehmen, mit der die Lok im Normalspurgleis Waggons verschieben konnte.

Nun begann ich damit, aus dem Blech die Orginalform für die Quertraverse der Mallet herauszuarbeiten.

Das mußte im angelöteten Zustand passieren. Jetzt hatte ich einen Riesenvorteil gegenüber anderen Messingblech-gehäusen:

Mein eingearbeitetes Ballastgewicht machte es möglich, die Lok - wie im Bild zu sehen - in einen Schraubstock einzuspannen. Mach das mal mit einem Modell nur aus Ätzteilen!

Auf diese Weise konnte ich das angelötete Blech ordentlich bearbeiten und die Ausschnitte ausbohren und dann ausfeilen.

Allerdings ist das bei einem 0,5er Blech auch nicht so ohne. Schnell ist was verbogen. Man muß schon höllisch aufpassen, um nichts zu beschädigen.



Spaß macht es immer, das Modell mal mit dem Orginal zu vergleichen. Bilder eignen sich dazu am Besten.

Auch wenn sämtliche Details noch fehlen, eine gewisse Ähnlichkeit zum Orginal kann man meinem Modell in den Grundformen nicht absprechen.

Wie ich an anderer Stelle schon schrieb und im obigen Bild auch zu sehen ist, waren die Maschinen der GMWE vom Werk aus bereits mit einer Vorrichtung versehen, mit der sie im Dreischienengleis im Bahnhof Wuitz-Mummsdorf die normalspurigen Waggons rangieren/verschieben konnten. Diese Zug- und Stosseinrichtung gilt es nun auch bei meiner Mallet nachzubilden. Sie sieht aus wie „Ersatzpuffer“.

Neben der praktischen Herstellung dieses Bauteils aus Vollmessing geht es darum, die Stosseinrichtung genau in der Höhe anzubringen, in der sie auf die „richtigen“ Puffer der Normalspurwaggons treffen kann.
Doch zunächst musste das Teil ja mal entstehen. Aus den Resten des Ballastgewichts kam das Material. Hergestellt wie üblich mit Sägen und Feilen. Die folgenden Bilder zeigen die Entstehung und Montage:

Nächster Schritt: Die Hauptluftbehälter

Eine ins Auge fallende Besonderheit

Jahren des vorigen Jahrhunderts mit die auf dem Dach montierten Haupt-

Schmalspurloks einzigartig und des-

zum Nachbau dieser Maschine. Die

dend für den Gesamteindruck und 

nal soweit wie möglich nahekom-

der 99 5714 waren in den 30er

der Einführung der Druckluftbremse 

luftbehälter. Diese Lösung war bei

halb für mich auch einer der Gründe

Hauptluftbehälter waren entschei-

deshalb sollten sie auch dem Orgi-

men. Doch die im Bausatz von GI


mitgelieferten Weißmetallgußteile waren nicht maßstäblich und auch nicht sonderlich fein gegossen. So blieb mir auch in diesem Fall nichts anderes übrig, als diese Teile neu anzufertigen. Auf Grund ihrer Bauform keine sonderlich schwere Aufgabe auf der Drehbank. Die neuen Hauptluftbehälter wurden maßstäblich in Durchmesser und Länge gedreht.

Die roten Striche deuten Sägeschnitte an und die schwarzen Striche zeigen, bis zu welchem Punkt ich das Profil herunterfeilen wollte. Das Ergebnis kann der geneigte Leser im unten stehenden Foto erkennen:

Kompliziert dagegen war die Herstellung der Lagerböcke für diese Behälter. Bei meiner Ganzmetallbauweise mußten sie ebenfalls aus Messing entstehen. Dazu ließ ich mir folgende Konstruktion einfallen:


In ein Vierkantprofil habe ich ein Loch im Durchmesser der eben erst fertiggestellten Behälter gebohrt. Auf dem nachfolgenden Bild, auf dem auch die neuen und alten Behälter zu sehen sind, zeige ich, wie ich aus diesem gebohrten Profil die Lagerböcke herausarbeiten wollte.

Da die Bohrung im Durchmesser der Behälter erfolgte, paßten sie jetzt auch hervorragend in das hergestellte Profil hinein. Nun mußte ich dieses Profil nur noch in mindestens 4 Lagerböcke teilen. Wie immer in solchen Fällen sägte ich einen Lagerbock mehr als benötigt. Man bleibt dadurch etwas lockerer, wenn ein Teil durch widrige Umstände (harmlose Umschreibung für die eigene Dussligkeit!) in der Tonne landet.


Und da waren sie, die fertigen Lagerböcke. 

Jetzt war mein Hauptproblem, wie ich diese massiven Teile auf dem 0,2mm dicken Dachblech des Führer-hauses fest bekomme. Kleben fiel aus, weil im Zuge des weiteren Baus das Gehäuse noch mehrmals beim Löten erhitzt wurde und die Leimstellen sich dann auflösen würden. 

Also Löten.

Für die Vorrichtung zum Löten habe ich einen ganzen Tag investiert. Das Gehäuse stand im Wasser, die Hauptluftbehälter und das Führerhausdach wurden von ..zig Klammern auf ihrem zugedachten Platz festge-halten, die Lagerböcke mußten unter ihnen exakt positioniert werden u.a.m. Vom Gehäuse war jedenfalls nicht mehr viel zu sehen. Außerdem habe ich gleich noch die Luftleitungen installiert. Sie bestehen aus 0,5mm Messingdrähten. Leider habe ich von dieser Aktion keine Bilder gemacht. Die Kunst der Wärmeableitung entschied letztlich über den Erfolg dieser Lötung:

Ein weiteres typisches Bauteil, allerdings bei vielen Maschinen der Mallet-Bauart anzutreffen, war der Kohlenkasten, der auf der Heizerseite der Lok auf dem Wasserkasten montiert war. Ich habe lange überlegt, ihn ebenfalls aus Messing oder vielleicht doch aus Echtholz zu bauen. Letztlich habe ich mich für Messing entschieden und das entsprechende Ätzteil aus dem GI-Bausatz dafür genommen. 

Komplettierung des Lokkessels

Diese Arbeiten möchte ich in zusammengefaßter Weise hier wiedergeben. Für die Komplettierung habe ich Feingußteile verschiedener Hersteller verwendet:

  • Stahldrähte und Halterungen für die Stellstangen,
  • Lichtmaschine und Läutewerk,
  • Anstellventile am Dampfdom,
  • Dampfentnahmestutzen auf dem Kessel,
  • Luft- und Wasserleitungen aus Messingdraht,
  • Handläufe u. Halterungen aus Stahldraht,
  • Sicherheitsventil,
  • Luftpumpe
  • Reichsbahnlaternen als Feingußteile 
  • Luftschläuche und Mittelpufferkupplungen

sowie verschiedene Kleinteile wie z.B. Handräder, Vorreiber für die Rauchkammertür u.a.

Installiert wurden diese Bauteile wie gehabt durch Bohren, Löten oder zuletzt auch Kleben. Für Stellstangen aus Stahldraht habe ich mich entschieden, weil im betrieblichen Umgang mit der Lok Drähte aus Messing oder Bronze irgendwann nachgeben und es sieht nicht gerade orginalgetreu aus, wenn eine an sich gerade Stellstange wie ein durchhängendes Seil aussieht. Und da mein Modell nicht für die Vitrine bestimmt ist, war das eine notwendige Maßnahme. Nach der Komplettierung, die einige Monate in Anspruch nahm, weil verschiedene Bauteile nicht paßten oder gerade nicht lieferbar waren, ergab sich dann das folgende Bild:

Eingehen möchte ich noch auf den Bau des Bremsluft-behälters unter dem Führerhaus.

Wie schon bei anderen Bauteilen aus dem Bausatz war auch der Bremsluftbehälter (unten, erstes Bild) nicht zu gebrauchen.

Deshalb entwarf ich auch dafür eine Konstruktion, um den Behälter und seine Befestigung am Lokrahmen orginalgetreu wiederzugeben. Den Ablauf kann man der folgenden Bilderserie entnehmen: