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16.10.16

Nach einer unfreiwilligen Bastelpause geht es gaaaanz langsam weiter.

Nach der langen Zeit der Planung und zeichnerischen Darstellung wollte ich nun unbedingt mit dem Bau des Fahrgestells beginnen. D.h., die in den Zeichnungen ermittelten Werte in der Praxis - also am Fahrgestell der künftigen Lok -  überprüfen.

Getroffen hat es ein Stück Messing-Rundprofil mit 30mm Durchmesser, das ich zunächst auf der Drehbank in einer etwas unorthodoxen Weise (siehe Bilder) in die Ausgangsform für das spätere Fräsen brachte. Anders gesagt: Ich wollte mir ein paar stumpfe Fräser sparen, denn Drehstähle kann ich anschleifen, Fräser nicht.

Also verwandelte ich mit Hilfe meiner Drehbank das Stück Rundprofil in ein Stück 10mm flaches Messing.

Da ich (noch) nicht im Besitz einer Minifräse bin, habe ich alle bisherigen Fräsarbeiten mit der Ständerbohrmaschi-ne ausgeführt. Um konkrete Bezugspunkte für alle Maße zu haben, mußten zunächst die Achsbohrungen für die Treib- und Laufachsen der Lok gesetzt werden. Das geschah in alt bewährter Weise mit Anreißen und Ankörnen.

Solche genauen Bohrungen sollte man in jedem Fall zunächst vorbohren. Bei den Bohrern ist darauf zu achten, daß es keine gewalzten Bohrer sind, die sind zwar viel preisgünstiger, aber viel zu ungenau und verlaufen auch gern um einige Zehntel, so daß man am Ende der Bohrung ganz woanders ankommt als vorgesehen.

Meine Achsbohrungen habe ich mit einem 0,8mm HSS-Spiralbohrer vorgebohrt. Die Abweichungen von Bohrloch zu Bohrloch liegen bei allen 4 Bohrungen innerhalb eines Zehntelmillimeters. Damit kann ich völlig zufrieden sein, zumal die einzelnen Achsen (außer der Treibachse) gefedert werden.

Trotzdem bin ich um hohe Genauigkeit bemüht, denn der Antrieb der Kuppelachsen soll ausschließlich über die Kuppelstangen erfolgen. Diese Kinematik erfordert u.a. auch geteilte Kuppelstangen. Aber dazu später.

Gefräst habe ich dann mit einem VHM-Schaftfräser von 6mm Durchmesser.

Entstanden sind vorerst die Aussparungen für die Bodenplatte und der Schacht für das Getriebe. Die folgenden Bilder geben den derzeitigen Stand wieder:

20.10.16

 

Inzwischen ist die Getriebeabdeckplatte aus 1,5mm Messingblech entstanden. Sie wird von 3 genau sitzenden Senkschrauben an ihrem Platz gehalten und später noch mit Paßstiften versehen. Das ist notwendig, weil die Platte die Gegenlager für die Getriebeachsen aufnehmen muß.

21.10.16

 

Um bei den Zwischenzahnrädern den Zehntelmillimeterabstand vom Kopfkreisdurchmesser des einen Stirnzahn-rades zur nächsten Achse etwas zu vergrößern, habe ich bei der Fa. Mikroantriebe  Stirnzahnräder mit 20 statt mit 18 Zähnen bestellt. Das gibt mir etwas mehr "Luft" beim Setzen der Achsbohrungen.  Auf die gesamte Getriebe-untersetzung hat das nur marginalen Einfluß.

Außerdem habe ich dort Kugellager mit einem Außendurchmesser von 4 mm und einer Breite von 1,5 mm entdeckt. Die passen ideal für meine Getriebewände. Wie geplant wird es also ein kugelgelagertes Getriebe. Das erhöht die Leichtlaufeigenschaften und verringert auf jeden Fall den Verschleiß, der bei der Reibung von Stahl auf halbhartes Messing nicht unerheblich ist.

Gebastelt wurde auch. Heute ist die Bodenplatte des Fahrwerks aus 1,5 mm starkem Messingblech entstanden. Sie wird von zwei M 2 - Senkkopfschrauben  gehalten. Die Blechstärke habe ich gewählt, um später die Möglichkeit zu haben, an den Seitenkanten die Bremsklötze und Sandfallrohre zu befestigen. Eingearbeitet werden muß noch der Ausschnitt für das Zahnrad auf der Treibachse.

Die neue Bodenplatte mit dem "Rest":

Exkurs am Rande: 

Bleibt die Frage, warum diese kompakte Form des Fahrgestells und nicht eine filigranere, den Barrenrahmen der Lok nachbildende Gestaltung einschließlich Federung, Federspannbolzen, Rahmendurchbrüche etc. ?

Die Antwort darauf ist relativ einfach. Wenn Barrenrahmen in dieser Baugröße, dann kann der Aufbau nur durch mehrfach aufeinander gelötete Ätzbleche erfolgen, in die dann noch die gefederten Achslager eingebaut werden müßten. Das bedeutet u.a. eine Explosion der Baukosten und der Bauzeit. Grundsätzlich bin ich Befürworter dieser Bauweise, allerdings lohnt sich der Aufwand in H0m deshalb nicht, weil man davon bei der auf dem Gleis stehenden Lok nichts, aber auch gar nichts sieht. Man müßte dazu die Lok vom Gleis nehmen und von unten betrachten.

Deshalb habe ich mich für die oben dargestellte massive Bauweise entschieden, die vor allem mehr Stabilität und Gewicht garantiert. Darüberhinaus war es mir wichtig, das Getriebe (Kugellager !) und die Achsen der Treib- und Kuppelräder von unten zu verschließen, um die allgegenwärtige Verschmutzung durch den Betriebsdienst auf ein Minimum zu beschränken.

26.10.16

 

Zur Vorbereitung der Bohrungen für das Getriebe mußte ich zunächst einen Fixpunkt schaffen. Das war in diesem Fall die Achse des Treib-rades.  Von ihr aus werde ich die Achsabstände für die Getriebe-wellen anzeichnen und bohren. Dazu habe ich mir extra Bohrer mit einem Durchmesser von 1,4 mm und eine 1,5 mm Reibahle ange-schafft.

Ähnlich habe ich den Einbau der Kugellager vorbereitet, in dem ich auch dafür 3,9er Bohrer und eine 4 mm Reibahle geordert habe.

Im Bild sind die Achsbohrungen bereits auf 1.4 mm aufgebohrt und nach unten hin geöffnet. Dazu habe ich ein Sägeblatt und eine flache Nadelfeile benutzt.

Die Antriebsachslager sind bereits auf 1,5 mm aufgebohrt, damit ich eine Stahlachse durchschieben kann.

Nach dem Aufreiben aller Achslager muß ich die bereits nach unten geöffneten Lager nochmal mit der Nadelfeile nacharbeiten, 


damit die Achsen nach unten freies Spiel haben und Gleisunebenheiten durch ihre Federung folgen können.

27.10.16

 

Da ich noch auf meine Stirnzahnräder und Kugellager warte, habe ich heute den nächsten Schritt begonnen und die Motor- und Gehäusehalterung begonnen. Wie der Name schon verrät, dient sie der Aufnahme des 13/17er Maxon mit Schwungmasse und gleichzeitig ist sie die Auflage für das Gehäuse, das mit dem Dampfdom auf dieser Halterung zu liegen kommt und mit einer Senkkopfschraube M 2 darauf festgeschraubt werden kann. Da die Halterung eine Länge von 16 mm besitzt, hat das Gehäuse gleich einen planen und festen Sitz. Natürlich muß die Höhe genau stimmen. Hier werden die letzten Korrekturen sicher erst dann erfolgen, wenn das Gehäuse im Rohbau fertig ist und probeweise aufgesetzt werden kann.

 

Entstanden ist diese Motorhalterung aus einem massiven Messing-Rundprofil, das in der Drehbank auf 16mm plan gedreht und mit einem 12er Bohrer aufgebohrt wurde.

 Natürlich habe ich mit 4 mm vorgebohrt, sonst hätte das dem Maschinchen den Rest gegeben.

Das war gleichzeitig wieder mal ein Leistungstest für meine "Einhell", den sie aber klaglos überstand.

Mit einem Innendrehmeißel wurde dann das 12er Loch auf 12,8 mm ausgedreht und anschließend geschlichtet. Der Motor wurde zum Test einige Male in das Loch geschoben, bis er sich ohne großen Druck durch das ganze Loch schieben ließ.

Festgehalten wird er später durch 2 M2-Schrauben.

Die Vorteile einer solchen Motorhalterung  liegen in der problemlosen Montage und Auswechslung des Maxon-Motors. Es ist allerdings nicht möglich, später mal einen, von der Bauart anderen Motor,  zu verwenden.

Es muß zwar kein Maxon sein, aber 12 oder besser 13 mm Durchmesser sollte er schon haben.

 

Nachdem ich die recht üppigen Spänehaufen beseitigt hatte, wurde das Teil in seine grobe Form gebracht/gesägt.

Durch feilen und mit Hilfe der Planschleifmaschine habe ich die Seiten bearbeitet.  Und ein bisschen rechtwinklig sollte es ja auch sein. Im Ergebnis konnte die Motorhalterung schon mal probeliegen, bevor sie dann auf ihrer eigentlichen Position festgelötet wird. In der Zeichnung kann der interessierte Leser sehen, an welcher Stelle die Motorhalterung eingebaut und wie mit ihr die Gehäusebefestigung realisiert wird.

2.11.16

 

Nachdem mich der Postbote gestern mit einer Sendung der Fa . Mikroantriebe aus Polen überrascht hat, kann ich nun mit dem Getriebeaufbau beginnen.

Jeder Modellbahner wird wissen:  Das Fahrverhalten eines Triebfahrzeuges ist das entscheidende Kriterium bei der Bewertung des Modells und natürlich beim Anlageneinsatz. (Vitrinen- und Schachtelbahner mal weghören!)

Also werde ich beim Bau des Getriebes ein gehöriges Maß an Sorgfalt an den Tag legen, damit ein seidenweiches Fahren möglich wird.

Die Vorbereitungen des Getriebebaus habe ich schon seit längerem abgeschlossen. Das Übersetzungsverhältnis und die Achsabstände sind ausgerechnet (siehe Seite 1), wobei ich bei den Achsabständen und Modul 0,3 zwischen 0,01 und 0,015 mm dazurechne, um zu gewährleisten, daß die Zahnköpfe des antreibenden Rades nicht mit dem Zahngrund des getriebenen Rades in Kontakt kommen. Die Räder würden "zwängen"!

Da ich die Löcher für die Laufachsen am Modell schon gebohrt hatte, war für das Anreißen der Bohrungen für die Getriebeachsen schon mal der Ausgangspunkt festgelegt. 4,9 mm Achsabstand (inkl. Zugabe) waren einzuhalten. Für die Bohrer nahm ich neue HSS-Spiralbohrer, um genau senkrechte Bohrungen zu erhalten.

Im folgenden Bild kann man erkennen, daß mir mein Vorhaben ganz gut gelungen ist:

Zum Ausprobieren habe ich mal 3 Achsen mit Zahnrädern bestückt und in das Fahrgestell geschoben.

Mit den erzielten Achsabständ-en und den Zahnzwischenräu-men bin ich zufrieden.

Meine in die Jahre gekommene Ständerbohrmaschine und meine Augen beim Anreißen haben mich nicht im Stich gelassen.

Nun müssen die Achslöcher noch auf 4 mm aufgebohrt werden, damit die Kugellager eingesetzt werden können.

3.11.16

 

Es hat mit keine Ruhe gelassen. Werde ich mit dem Aufbohren auf 3,9 mm an den Achsabständen etwas verändern? Das wäre der Supergau.

Alles ging gut. Der 3,9 mm Bohrer senkte sich zentrisch durch die vorgebohrten Achslöcher. Nun konnte ich mit der 4 mm Reibahle eine Passung herstellen. Das erste Kugellager verschwand mit leichtem Druck im Achsloch. Das wiederholte sich an den anderen 3 Achslöchern und schon war die Voraussetzung für ein gut laufendes Getriebe geschaffen.

Anschließend fräste ich die Auflage für die Motorhalte-rung um ca 1,2 mm aus, so daß die Schnecke in das Schneckenrad eintauchen konnte.

Im Moment hat sie 2 Zehntel freies Spiel, das muß ich noch um ein paar Hundertstel nach unten korrigieren.

Ansonsten paßt alles auf das Beste.

Die Zahnräder werde ich auf den Achsen anlöten und die Achsen befestige ich einseitig in den Kugellagern mit Loctite 638, die andere Seite bleibt eine Passung.

 

Bei einem ersten Lauftest war außer einem leisen Summen des Maxon nichts zu hören. Wunderbar der Auslauf des Motors, dessen Schwungmasse einen Nachlauf von etwa 15 Sekunden bewirkte.

Das wird sich natürlich beim voll installierten Getriebe noch etwas reduzieren.

Nun muß ich mich der Herstellung der noch fehlenden Achsen widmen sowie dem Ausschnitt aus der Grundplatte für das Zahnrad auf der Treibachse.

8.11.16

 

Nachdem der erste Lauftest zu meiner vollen Zufriedenheit ausgefallen ist, wurde der Versuchsauf-bau wieder auseinander genommen, um am Fahrwerk weiter arbeiten zu können.

Heute habe ich die Achsbohrungen für die Kuppel-achsen auf 1,5 mm gebracht und die Öffnung nach unten ausgefeilt, um den gefederten Achsen das notwendige Spiel zu geben.

Dazu gehörte u.a. auch die rechteckige Aussparung in der Grundplatte für das Zahnrad der Treibachse. Diese Aussparung wurde ausgebohrt und danach auf  Maß (2,5 x 6,5 mm) gefeilt. Das war die erste Bewährungs-probe für meinen neuen Nadelfeilensatz, den ich mir extra für den Bau der 99 5912 geleistet habe.

Um den Motor künftig in der Halterung festziehen zu können, mußte noch eine Feststellschraube installiert werden. Und da die Oberfläche der Motorhalterung gleichzeitig als Auflagefläche für das Gehäuse fungiert,

durfte die M2-Schraube nicht über diese Oberfläche hinaus ragen.

Also vorbohren, M2-Gewinde durch 8 mm Messing schneiden und dann mit einem 5 mm-Bohrer 3 mm ansenken, damit der Kopf der Schraube beim festgeschraubten Motor nicht mehr sichtbar ist.

Jetzt kann ich den Motor jederzeit zu Montagezwecken

mit einem Steckschlüssel losschrauben und aus der Halterung ziehen.

Das vereinfacht die noch fälligen Arbeiten am Fahrgestell.