Die 99 5912  -  Seite 5

Nach einer ungeplanten und gesundheitlich bedingten Auszeit habe ich begonnen, wieder an diesem Projekt zu arbeiten.

Die Weinert-Achsen legte ich zunächst zur Seite, weil andere konstruktive Gedanken noch nicht ganz ausgegoren sind.

Wieder eingestiegen bin ich mit dem Gehäusebau. Die angefertigten Zeichnungen wurden erneut mit den Originalfotos verglichen und immer wieder Unstimmigkeiten korrigiert. Zur Erinnerung: Für diese Lok gibt es außer dem Blatt im Lokachiv keinerlei Zeichnungen oder Angaben über den Bau. Wahrscheinlich ist das auch die Ursache dafür, daß es keinen Bausatz für die 99 5912 gibt.

Ich bin also auschließlich auf Fotos angewiesen, denen ich die Maße entnehme. Die dabei auftretenden Ungenauigkeiten versuche ich mit einer Vielzahl von Messungen an unterschiedlichen Fotos zu kompensieren.

 

Begonnen habe ich mit dem Bau des Kessels. Material war 0,5 mm Messingblech. Das Blech wurde über einem Stück Rundmaterial in den maßstäblichen 8 mm-Radius gebogen.

Die seitlichen Abkantungen befinden sich 0,5mm unter der Kesselmitte und bilden später die Wasserkastenoberseiten.

Das genaue Abkanten erfolgte im Schraubstock mit abgeschliffenen planen Backen, denn mit einem handelsüblichen Abkantgerät schafft man lediglich Blech bis zu 0,3 mm Stärke.

Für die Darstellung der Rauchkammer drehte ich aus Neusilber ein Rundmaterial, welches ich an der Kesselfront einlöten konnte. Dieses Rundmaterial habe ich anschließend in der unteren Hälfte noch ummantelt, damit ein runder Kessel entsteht.

Somit war erst mal das Grundgerüst für den weiteren Aufbau des Gehäuses geschaffen.

Überall dort, wo es möglich ist und wo es dem gleichmäßigen Achsdruck dient, verwende ich Vollmaterial so wie bei der Rauchkammer. Das höhere Gewicht verbessert nicht nur die Stromabnahme, sondern dient auch einem gleichmäßigen und ruhigeren Lauf des Triebfahrzeugs.

So entstanden Sand- und Dampfdom und auch der Schornstein aus Vollmessing. Vorher habe ich noch den hinteren Teil des Kessels mit einem 0,3 mm Blech aufgefüttert.

Weil ich später nicht mehr drankomme, wurde auch noch die Nietreihe gesetzt, mit der die Rauchkammer an den Wasserkessel angenietet ist. Verwenden wollte ich maßstäbliche Niete mit 0,25 mm Kopfdurchmesser und 1,8  mm "dickem" Schaft, das überstieg aber meine motorischen Fähigkeiten. Aber mit den jetzt eingesetzten Nieten mit 0,5 mm Kopfdurchmesser kann ich auch leben.  Sie sind mit Lot in den gebohrten Löchern befestigt.

Zusammen mit dem "entkernten" Fahrgestell kann man jetzt schon erahnen, daß es mal eine Dampflok werden soll.

Das Gehäuse wird durch eine einzige M2 Messingschraube in seiner Position gehalten. Der Sechskantkopf der Schraube ist später durch den Anbau der Kesselventile nicht mehr zu sehen.

Inzwischen entstanden die seitlichen Gehäusewände, also Führerhaus- und Wasserkastenseiten.

Dafür habe ich 0,5 mm Messingblech genommen und 2 Bleche gleicher Größe miteinander verlötet. Dadurch erhalte ich nicht nur 2 gleiche Seitenwände, das zusammengelötete Blech läßt sich auch besser bearbeiten.

Die Ausschnitte habe ich rechtwinklig gefeilt. Die Tür und das Fenster wurden vorgebohrt und anschließend mit Nadelfeilen auf das entsprechende Maß gebracht.

Die weitaus längste Zeit haben die Tür- und Fensterecken gebraucht. Da können 2 Feilenhiebe schon einer zuviel sein.

Nach rund einer Stunde des Bohrens und Feilens nahmen die 2 Seitenwände langsam Form an:

Nach dem Auseinanderlöten der beiden Bleche fertigte ich die untere Rückwand an und lötete sie an die vorbestimmte Stelle. Alles paßte wunderbar.

Jetzt kam der Kessel zwischen die Wasserkästenseiten, wurde genau ausgerichtet und mit der Flamme verlötet.

An den Bildern kann man wunderschön erkennen, welch bulligen Kessel die 99 5912 hat, ganz im Gegensatz zu der eher zierlichen 99 5714, die ich als erste Dampflok der GMWE baute.

Außerdem freut mich, daß ich mit hinreichender Genauigkeit gearbeitet habe und alle Teile wunderbar zusammenpassen. Das ist bei einem Eigenbaumodell, wo jedes Teil selbst angefertigt werden muß, nicht ganz selbstverständlich.

Das trifft z.B. auch auf das Anferti-gen der Führerhausvorderwand zu.

Hier hatte ich es gleich mit 3 Radien zu tun. Die Kesselrundung, der Dachradius und die Bogenfenster machen das Bauteil ziemlich kompliziert. Für das Foto habe ich das Blech schon mal an Ort und 


Stelle eingeklemmt. Es dient mir noch als Muster für das Anfertigen der Führerhausrückwand. Auch die Höhe der Wasserkästen habe ich angepaßt.

Inzwischen sind das Führerhaus und das Dach fertig.  Bisher ist geplant, das Dach abnehmbar zu montieren.

So nach und nach wird das Gehäuse vervollständigt. Als erste Kesselausrüstung sind die Sandfallrohre montiert, der Führerhaustritt ausgefeilt und die hintere Stoßeinrichtung hergestellt und angelötet. Auch die Wasserkästen sind mit ihrer Vorderwand komplettiert.

16.12.17

Da die weiteren Ausrüstungsteile noch auf sich warten lassen, habe ich mich inzwischen der weiteren Vervollständigung des Fahrgestells gewidmet. Während der Planungsphase für das Modell habe ich über der maßstabsgerechten Nachbildung der Lok vergessen,  daß sie ja zum Fahren auch Stromabnehmer braucht und dafür irgendwo Platz sein muß. Da das Messingmodell völlig potenzialfrei bleiben soll, muß die Stromabnahme auf beiden Lokseiten erfolgen. Ansonsten hätte eine Seite gereicht.

Als Material habe ich 0,2 mm Bronzefederblech verwendet und den fertigen Stromabnehmer mit dünnem Zigarettenpapier hinterklebt. Angeschraubt ist der Stromabnehmer an die untere Kante des Motorblocks.

Auf diese Art kann ich ihn bei Bedarf schnell ausbauen.

Es müssen nur 2 M1-Schrauben gelöst werden. 


Aber auch ohne ihn abschrauben zu müssen, kann ich ihn durch Abschrauben des Motorblocks rausziehen, ohne eine Laufachse ausbauen zu müssen.

17.12.17

 

Zwischendurch kam es mal zur Stellprobe mit der Vorgängerin, der 99 5714. Alle Hauptmaße wurden eingehalten bis auf die Höhe der Lok über SO. Hier bin ich 0,8 mm zu hoch gekommen. Das stört allerdings nicht im Geringsten den Gesamteindruck des Modells, deshalb lasse ich das so.

21.12.17

 

Das Zurüsten des Kessels ist eine langwierige Arbeit. Bis zum derzeitigen Zustand konnte ich beim Löten bleiben, ab jetzt aber wird auch das Kleben eingesetzt, weil sonst einige der montierten Armaturen wieder abfallen könnten.

Auch das Fahrgestell muß noch vervollständigt werden. Hinzugekommen ist die Nachbildung der Stehkesselrückwand und die Kontaktfederplatte für die Stromversorgung der Laternen am Gehäuse. Ich mag keine Drahtverhaue, deshalb die Kontaktfedern. Außerdem ist das eine nicht zu unterschätzende Erleichterung bei der Montage .

4.1.18

Zwischendurch habe ich mich mal an der Elektrik versucht. Die 99 5912 hat am Kessel und am Führerhaus deutlich sichtbar verlegte E-Leitungen für die Beleuchtung. Mich hat es gereizt, die verlegten Kabelrohre im Modell nachzubilden. 

Zunächst mußte ich eine Technologie finden, die es mir gestattete, in wiederholbarer Weise  Leitungen und Abzweigdosen  in 1:87 darzustellen. Mit mehreren Versuchen bin ich gescheitert. Letztlich habe ich dann die Abzweigdosen aus 1,5 x 1 mm  Profilabschnitten hergestellt und für die Leitungen 0,3 mm Bronzefederdraht genommen. Zur Verbindung von Abzweigdose und Leitung habe ich anfänglich 0,3 mm Löcher in das Vierkantprofil gebohrt, habe aber dabei 3 Bohrer verheizt. Inzwische säge ich mit einem feinen Sägeblatt "händisch" einen Schlitz in das Profilstück und lege den Leitungsdraht dort hinein. Für die Befestigung am Gehäuse der Lok habe ich dem Messingprofil einen 0,5 mm starken Zapfen angedreht,  mit dem dann die Abzweigdose in der Gehäusewand versenkt werden kann.  Die Bilder schildern in etwa die Reihenfolge der Herstellung der Elektroinstallation an der 99 5912:

Die Installation ist momentan nur aufgesteckt und wird erst am Ende der Zurüstung des Gehäuses eingelötet.

 

6.1.18

Und gleich noch ein lang gehegter Wunsch von mir: Bewegliche Türen.

Beim Vorbild standen die Türen im Bahnhof und beim Rangieren immer offen. Demzufolge hätte ich mindesten auf einer Seite des Führerhauses auch eine offene Tür darstellen müssen. Die wäre mir aber bei der weiteren Vervollständigung des Gehäuses ständig im Weg gewesen. Also kamen hier bewegliche Türen zum Einsatz.

Die mußten allerdings erstmal hergestellt werden.

Dazu nahm ich 0,1 mm Bronzefederblech und als Türangel 0,3 mm Federstahldraht. Das Blech wurde gefaltet und dazwischen der Stahldraht im Knick deponiert. Dann wurde das Ganze im Schraubstock zusammengedrückt.

Anschließend habe ich den Stahldraht rausgezogen und in der Tür das Mittelstück rausgefeilt, so daß oben und unten nur noch zwei Türangeln übrig blieben. Anschließend wurden beide Teile zusammengefügt und der Draht durch die Ösen geführt.

Zur Vervollständigung erhielt die Tür noch eine obere Abschlußleiste und eine Türklinke.

Auf den Bildern kann ich erkennen, daß die Türklinke noch etwas zu groß ist, Ich werde da nochmal ran müssen.

8.1.18

Nach den Türen widmete ich mich den Griffstangen , die bei dieser Lok an den Wasserkästen und am Aufstieg zum Führerstand angebracht waren. Dazu wollte ich Griffstangenhalter als Feingußteil von "Weinert" verwenden.

Nach dem Anreißen und Bohren der benötigten Löcher knipste ich vom Gußbaum die Griffstangenhalter ab und steckte sie in die Bohrlöcher. Einen Stahldraht als Richtungshalter eingesteckt und von hinten festgelötet.

Als ich dann zur Kontrolle an den Griffstangenhaltern entlang guckte, merkte ich, daß sie verschieden tief im Gehäuse saßen. Unter der Lupenbrille  sah ich jetzt, daß die Griffstangenhalter, die ja alle an einem Gußbaum saßen, verschieden lange Bünde hatten.  Ich maß nach: 3 Zehntel Millimeter Differenz. 

Nachdem sich mein Zorn verflüchtigt hatte, suchte ich in der Bastelkiste nach baugleichen Griffstangenhaltern und fand auch welche. Und zwar genau einen mehr, als ich brauchte. Also war jetzt ein aus der Pinzette springender Griffstangenhalter so ziemlich das Letzte, was mir passieren durfte.

Es ging glatt!

Schwierig gestaltete sich noch , daß am Führerstand zwei Griffstangen im 90°-Winkel aufeinander trafen. Den 0,7 mm großen Knauf im 90°-Winkel mit einem 0,35 mm Bohrer aufbohren habe ich nach 3 Versuchen aufgegeben.

Was blieb? Aufsägen und den Draht einlegen und verlöten? Ging auch nicht. Plötzlich kam mir eine Idee. Ich lötete den Griffstangenhalter um 45° verdreht ein, schob den schon abgewinkelten Draht ein und bog den Draht mit der Zange so zurecht, daß er im 90° - Winkel im Griffstangenhalter saß. Voila!

Bewährt hat sich bei diesen Arbeiten der Spezialseitenschneider von der Fa. Fohrmann. Bis 0,5 mm Stahldraht schneidet sie ohne sichtbare Spuren an den Schneiden. Mit so einem Werkzeug macht das Arbeiten doppelt so viel Spaß. Wieviel Seitenschneider habe ich früher wegschmeißen müssen, weil sie nichts taugten.......

Und so ganz nebenbei wurde auch der Stehkessel fertig. Fertig heißt in dem Fall, ich habe aufgehört, ihn zuzurüsten. Da der Führerstand frei ist, wollte ich den Stehkessel etwas gestalten, damit die Preiserlein etwas zum Spielen haben. Da es keine Bilder vom Führerstand der 99 5912 gibt, wäre eine weitere Nachbildung sowieso fantastischen Ursprungs. Der Boden wird später mit einem Holzdielenimitat versehen, das war´s dann.