Die 99 5912  -  Seite 7

Die mit Gewinde M 1,2 versehenen Kurbelzapfen-bohrungen mußten nun mit neuen Kurbelzapfen versehen werden. Dazu "mißbrauchte" ich die Sechskantschrauben M 1,2 mit Hohem Kopf und 10 mm Länge.

Im Bohrzwerg feilte ich den Kopf bis auf 0,3 mm flach. Dann wurden die Schrauben auf 3,2 mm mit der Laubsäge abgelängt.

Nun konnten die neuen Kurbelzapfen Stück für Stück in die Radscheiben eingesetzt werden. Als Spiel für die Kuppelstangen legte ich für alle Achsen 0,3 mm fest.

Das ist ausreichend für die notwendige Seitenbeweg-lichkeit der Achsen.

Neues Ungemach drohte!

Bei eingesetzter Treibachse lief das Getriebe etwas "hart". Es machte mehr Geräusche als das ein kugelgelagertes Getriebe machen sollte. Zunächst tröstete ich mich mit der Hoffnung, das diese Erscheinung nach dem Einlaufen des Getriebes von allein verschwindet. Vielleicht war auch der Abstand des Achszahnrades zum darüber liegenden Ritzel etwas zu knapp? Es folgten Stunden des Suchens und Probierens. Kein positives Resultat, aber ein Verdacht.

Ich bezichtigte das Achszahnrad als Schuldigen, nahm kurzerhand die Treibachse auseinander und drückte ein neues Zahnrad auf die Achse. Anschließend kamen die Räder wieder auf die Achse und dann ab ins Fahrgestell.

Es war nichts mehr von Laufgeräuschen zu hören. Weder von den Getriebezahnrädern noch von der Laufachse.

Volltreffer!

Ich kann nur vermuten, daß es an den Fertigungstoleranzen des Zahnrades beim Herstellungsprozeß lag, eine andere Ursache konnte ich nicht feststellen.

 

13.2.18

 

Trotz der aufgetretenen Probleme konnte heute eine Probefahrt mit lackiertem Gehäuse durchgeführt werden.

Die Beschriftung ist bei der Fa. Hartmann-Original in Auftrag gegeben.

Vorher erhält sie aber noch ihr endgülitiges Finish.

 


Irgendwann muß man auch mal fertig werden. Heute war es als erstes das Fahrgestell.  Vorher habe ich noch die Schmalspur-Magnetkupplung und die Hilfskuppeleinrichtung montiert, den Motor feinjustiert, also den Eingriff der Schnecke in das Schneckenrad um ein paar Hundertstel korrigiert, die Getriebezahnräder und die Laufachsen mit einem winzigen Tröpfchen Öl versehen und einen Heizer an seinen Arbeitsplatz gestellt.

Das Fahrwerk läuft jetzt wunderbar weich, leise und hat bei 8 VDC einen Auslauf von 5 cm. Ich befürchte nur, daß die Kuppelstangen aus Messingblech nicht allzu lange durchhalten. Ich hätte besser Neusilber nehmen sollen.

Aber die nächsten ein- oder zwei Jahre werde ich damit erstmal keine Probleme haben.

Auch das Gehäuse nimmt langsam Formen an. Für die Beschriftung habe ich seidenmatten Lack aufgebracht und den unteren Bereich mit dem Pinsel rot gestrichen.

Die Laternen und die Führerstands-LED wurden von ihrer Maskierung befreit und auch hier die Schmalspur-Magnetkupplung und die Hilfskuppeleinrichtung angebracht.

Auch die Kontaktplatte für die Federn des Fahrgestells wurde gereinigt, damit die Stromübertragung zum Gehäuse funktionieren kann.

Jetzt kommt noch das Fensterglas, die Kohlen und die Beschriftung, auf die ich noch warten muß.

Wer unter den Modellbauern kennt das nicht:

Die Emotionen, wenn das Modell, an dem man  vielleicht über mehrere Jahre konstruiert, verworfen, gebaut, demontiert, gerechnet und ausprobiert hat, auf einmal vor einem auf dem Gleis steht und anfängt, ein Eigenleben zu haben.

Vorbei die ständigen Überlegungen: "Wie weit kannst oder mußt  Du hier ins Detail gehen und wo ist der Kompromiß?" oder "Werde ich meinen eigenen 


Ansprüchen an das Erscheinungsbild des Modells und an die Fahreigenschaften gerecht?"

Ich kann für mich die Bilanz ziehen, daß ich mit der 99 5912 nicht nur fast an die Grenzen meines handwerklichen Könnens kam, sondern auch das Modell mit den bisher besten Fahreigenschaften gebaut habe.

Und so sei mir gestattet, bei einem Hopfentee in der einen und dem Regler in der anderen Hand  dem Sahnestück noch ein wenig beim Werkeln zuzusehen.

 

2.3.18

 

Bei intensiver Begutachtung der lackierten Oberfläche des Gehäuses kam ich zu der Erkenntnis, daß 

1. die Farbe zu dick aufgetragen ist und

2. die Lackoberfläche zu viele Unsauberkeiten aufwies.

Am unangenehmsten ist mir die zu dicke Farbschicht aufgefallen. Scharfe Kanten waren plötzlich rund, Details an Pumpe und Führerstand verschwammen und Stellstangen waren noch mal so dick.

Das konnte nicht so bleiben.

Offensichtlich hatte ich Fehler bei der Anmischung der Grundierung und des Lacks gemacht, in dem ich die Mischung zu dick oder die Pistole falsch eingestellt habe.

Kurz entschlossen kam das Gehäuse in ein Acetonbad. Mit einem harten Pinsel habe ich dann die Farbe abgewaschen. Dabei hat sich dann meine Hypothese der zu dicken Farbe bestätigt.

Ein Glück, daß mir das Ganze noch vor der Beschriftung des Gehäuses auf- und eingefallen ist, denn die Fa. Hartmann hat inzwischen die Decals geliefert.

 

Nachdem das Gehäuse wieder im Messingglanz stand, wollte ich alte Fehler nicht erneut begehen und die winzigen Partikelchen, die bein letzten Mal den Waschvorgang überstanden hatten und dann unter der Farbe noch deutlich zu erkennen waren, gründlich entfernen.

Also Sandstrahlen.

Ohne Kabine kann man das nur im Freien machen. Das Equipment zusammengepackt und an die frische Luft.

Mein Heimkompressor kann 5-6 Bar, ausreichend für das feine Aluminiumoxid, mit dem ich den Behälter gefüllt habe. Bei gedrücktem Lufthebel habe ich das Granulat langsam zugestellt, große Mengen verstopfen eher die Düse. Nach einer halben Stunde und 5 mal nachfüllen war der Messingglanz und mit ihm alle Unsauberkeiten auf der Blechoberfläche verschwunden. Das Messing ist wunderbar "aufgerauht".

Nun sind - so glaube ich zumindest - bessere Voraussetzungen für das Grundieren und Lackieren vorhanden.

 

13.3.18

 

Wie bei allen meinen Modellen kommen erst zum Schluß die Katastrophen. Und auch bei der 99 5912 mußte ich darauf nicht verzichten.

Aus einem nicht geklärten Umstand fielen plötzlich die Schlußlaternen aus und viel schlimmer noch:  Ein  Zahnrad auf einer Getriebeachse löste sich, drehte praktisch durch. Ich war auch kurz davor.

Ich hatte das Zahnrad bei der Montage nicht mit Loctite festgleimt, weil es sehr stramm auf der Achse saß. Das hat sich jetzt gerächt. Ich habe die auftretenden Kräfte im Getriebe einfach unterschätzt.

Nun mußte ich das gesamte Getriebe auseinander nehmen. 

Notwendige Neulackierung, Ausfall der hinteren Laternen und Getriebeschaden. Manch einer legt dann das Projekt erstmal beiseite oder tritt es gar in die Tonne. Auch ich brauchte eine Denkpause.

Andererseits war alles auf meine Fehlleistungen zurückzuführen und deshalb wollte ich nicht klein beigeben.

Also alles auf Anfang und das Fahrgestell zerlegt.

Die Laternen mußten mit neuen SMD-LED ausgegossen und neue Leitungen zu den Lötpunkten im Gehäuse gezogen werden. Das klappte erst im zweiten Anlauf, aber dann strahlten die Laternen wieder.

Beim Getriebe konnte ich das lose Zahnrad erfolgreich bombenfest leimen. Die Demontage des Fahrgestells nutzte ich gleichzeitig, um einige Fehler und Ungenauigkeiten  zu beseitigen. So fertigte ich neue durchgehende Kuppelstangen aus härteren und zäheren Neusilberblech an und verbesserte dadurch den gleichmäßigen, runden Lauf der Lok sowie die "Standzeit" der Kuppelstangen.

Ich hatte es an anderer Stelle schon geschrieben: Der Einachsantrieb einer Dampflok, bei dem die anderen Achsen durch die Kuppelstangen angetrieben werden, ist so ziemlich das Schwierigste beim Selbstbau eines Lokantriebes. Mögen es die Modellbaukollegen mit einer CNC-Fräse zur Einhaltung des Stichmaßes etwas leichter haben,  sie werden aber letztlich bei der Montage der Kuppelstangen auch ähnliche Probleme bekommen. Bei routierenden Achsen ist also Stichmaß nicht gleich Stichmaß. Da aber nur wenige Bastler so etwas auf sich nehmen, erspare ich mir hier Details der auftretenden Probleme. Bei Anfragen natürlich gerne mehr.

Um so zufriedener war ich, als meine (noch rohen, ungeformten) Kuppelstangen aus Neusilber endlich so liefen, wie ich mir das schon von Anfang an vorgestellt hatte - hier ohne Bodenplatte, also die Achsen nur eingelegt!

Solche Augenblicke sind es, die mir das Basteln ein wenig zur Sucht machen.

Vor dem Lauf hatte ich natürlich die Federn unter der 1., 2. und 4. Kuppelachse entfernt, sonst wäre so ein Lauf ohne Bodenblech,  möglich gewesen.


 

21.3.18

Nach dem erneuten Lackieren, dem Zurechtfeilen der Kuppelstangen und einiger Verschönerungsarbeiten kann ich nun das Projekt 99 5912 abschließen.

Die Lok läuft absolut leise, man hört praktisch nur das Rollen auf den Schienen und ein leises Summen des Faulhabers.

Videos drehen werde ich in diesem Leben nicht mehr lernen,  das Wesentliche ist aber zu erkennen.


Mit diesem Filmchen ist der Baubericht über die 99 5912 abgeschlossen.