Spanabhebende Metallbearbeitung:                              DREHEN

 

Nachdem ich jahrelang alles was rund sein sollte in der Ständerbohrmaschine "gedreht" hatte, habe ich mir nach einigen Anläufen eine kleine Drehbank geleistet. Auf diese in China gefertigten Teile kleben nach ihrer Ankunft in DE

 mehrere Firmen ihre Logos drauf, so daß es völlig egal ist, bei wem man diese Sorte Drehbank einkauft.

Ausgewählt habe ich sie deshalb, weil sie im Gegensatz zu anderen Angeboten einen halbwegs  stabilen Eindruck machte und die Schwalben-schwanzführungen zum Nachstellen eingerichtet waren.

Wenn man keine übertriebenen Erwartungen an so ein Maschinchen stellt, dann kann sie durchaus beim Herstellen von Modellen sehr hilfreich sein. Besonders negativ macht sich der unzentrierte Reitstock bemerkbar. Wenn man bohren, zentrieren, innen ausdrehen oder die mitlaufende Körnerspitze einsetzen will, heißt es zunächst: Reitstock zentrieren. 

Im Laufe der Zeit habe ich mir dann die Maschine auf meine Bedürfnisse hin eingestellt. So wurde u.a. das Vorgelege entfernt, da ich kein Gewinde schneiden will und den automatischen Supportvortrieb ebenfalls nicht benötige. Die Schwalbenschwanzführungen wurden ordentlich eingestellt und unnötiger Ballast wie die Spänewanne oder die Plexiglasschutzhaube über dem Dreibackenfutter entfernt. Da setze ich lieber meine sowieso vorhandene Brille auf.

 

Drehstähle stelle ich mir grundsätzlich aus alten Feilen selbst her. Das macht zwar etwas Arbeit, aber mittlerweile sind für die meisten Zwecke die entsprechenden Stähle vorhanden. Aus den Feilen schneide ich mir mit Hilfe einer Flex mit einer Stahltrennscheibe die Grundkörper der Stähle, die dann an der normalen Schleifmaschine ihre endgültige Form erhalten.

Natürlich geht der Einsatz der Stähle auf der Maschine mit einem Stahlwechselhalter und einheitlichen Drehstahlquerschnitten etwas schneller, wenn man die Bearbeitungsart ändern will.  Muß ich aber nicht haben.

 

Auf dieser Seite möchte ich nicht einen theoretischen Lehrgang über das Drehen eröffnen. Dazu gibt es schon teilweise sehr gut gestaltete Seiten im Netz. Wie schon in anderen Zusammenhängen auf meiner HP betont, möchte ich lediglich ein paar Erfahrungen vermitteln, die ich beim Drehen gemacht habe.

 

Wer also als absoluter Beginner Rat und Hilfe sucht, dem kann ich das Weiterlesen nicht unbedingt empfehlen.

 

Erfahrungen vermittelt man am Besten an Hand von Beispielen. 

Und so will ich damit beginnen, daß ich für den Bau der 99 5912 ein Fahrgestell aus massiven Messing brauchte, so ein Profil aber nirgends zu kaufen bekam.

Hinzu kam, daß ich nicht immer nur an Konstruktionszeichnungen sitzen, sondern auch mal praktische Ergebnisse erzielen wollte. Ich habe also in meiner Materialkiste nach einem massiven Messingprofil gefahndet, das von den Abmessungen her für den Fahrwerksblock meiner 99 5912 paßt.

Gefunden habe ich ein 95mm langes Rundprofil mit einem Durchmesser von 30mm. Nicht gerade ideal, weil viel Material weg muß, aber wer verkauft mir schon ein kleines Stück Rechteckprofil mit 10 x 25 x 95mm.

Um meinen Fräsern und der kleinen Proxon nicht allzuviel zuzumuten, wurde die Drehbank als Fräse mißbraucht. Das habe ich mit massiven Messingprofilen schon öfter gemacht, weil einen Drehstahl anschleifen geht schneller als einen neuen Fräser kaufen.

Nach ein paar ersten Runden sah das dann so aus:

Nach 2 Std. drehen, messen, drehen, messen usw. konnte ich das grob heraus gearbeitete Messingprofil von der Maschine nehmen. Die Seiten sind genau parallel, die Stirnflächen oben und unten exakt im 90°-Winkel.

Das Abdrehen gestaltet sich in so einem Fall etwas mühsam, da auf Grund der Unwucht die Drehzahl des Dreibackenfutters sehr niedrig gehalten werden muß, wenn das Ganze einem nicht um die Ohren fliegen soll. Es hat aber wie immer sehr gut geklappt.

Solche Profile und andere Kleinteile werden dann häufig auf Fräsmaschinen weiter bearbeitet. Ich selbst bin noch nicht in den Besitz einer "Proxon" o.ä. gekommen, wußte mir aber zu helfen.

Irgendwoher bekam ich eines Tages  einen Kreuzsupport von einer alten Werksmaschine geschenkt. Ihn bastelte ich unter meine Ständerbohrmaschine und schon konnte ich Fräsen.

Im Bild die Vorbereitung für das Fräsen, um ein einer Kuppelradscheibe eines Dampflokmodells den Kuppelbolzen zwischen die Speichen zu montieren. Dazu müssen bei allen Rädern die entsprechenden Ausfräsungen absolut genau durchgeführt werden, damit die durchgehende Kuppelstange bei eingesetzten Laufachsen wirklich rundläuft.