Etwas über Makrofotografie. So, wie ich sie praktiziere.

Als man noch Rollfilme einkaufen, in die Kamera spannen, den belichteten Film zum Entwickeln schaffen und Fotoalben anlegen mußte um Ordnung zu halten, zählte Fotografieren nicht zu meinen Hobbys und meine Kenntnisse hielten sich deshalb auch in Grenzen.

Jetzt, im digitalen Zeitalter, braucht man kaum noch Aufwand zu betreiben, um ganz ordentliche Bilder zu schießen.

Man sollte lediglich die Funktionen der Kamera beherrschen und einiges über die Beleuchtung wissen. 

 

Meine heutigen fotografischen Kenntnisse gehen immer noch nicht über die eines Hobbyfotografen hinaus. Versuche mit digitalen Kompaktkameras Makroaufnahmen zu machen, verliefen aber nicht zufriedenstellend und so leistete ich mir dann eine preisgünstige CANON mit einem 18-55mm-Objektiv, das mir bei manueller Einstellung erheblich mehr Möglichkeiten für Makros bot.

Bei diesen Makros geht es mir vor allem um Bilder von Fahrzeug- oder Funktionsmodellen oder bestimmten Details  von ihnen, die nur wenige Millimeter groß sind.

Da sind meiner CANON mit diesem Allerweltsobjektiv natürliche Grenzen gesetzt. Unterhalb einer Entfernung von 25cm

bekomme ich gerade noch einen Tiefenschärfebereich von 2 - 3mm, was natürlich für ein anspruchsvolles Bild nicht ausreicht.

 

Hier kann ich die Kamera auch nicht mehr automatisch fokussieren lassen, weil sie nicht weiß, auf was sie scharf stellen soll.

Also manuell auf die Mittelpufferkupplungen fokussieren.

Dadurch gehen natürlich alle anderen Bilddetails unter.

Um genau diesen Effekt zu umgehen, habe ich bisher immer aus einer größeren Entfernung die Kamera automatisch fokussieren lassen und dann die Bilder mit einem Bildbearbeitungsprogramm auf "Makro" getrimmt.

Das heißt, einen Bildausschnitt als neues Bild einfügen und entsprechend vergrößern.

Dadurch leidet allerdings wiederum die Bildqualität.

Wie der Leser rechts nebenan unschwer erkennen kann, erhält man auf diese Art einen größerern Schärfebereich, der aber für die Abbildung der Waggons immer noch nicht ausreicht.

Außerdem nimmt die detaillierte Darstellung der Kupplung durch die jetzt größere Entfernung der Kamera ab.

Nun gibt es mehrere Möglichkeiten, zu besseren Makros zu kommen.

1. Ein Makroobjektiv anschaffen. Da ist man schnell beim Preis einer neuen Kamera.

2. Zwischenringe installieren. (Zwischenringe)

Gibts für wenig Geld und ist schon mal eine Möglichkeit, näher an das Objekt heran zukommen.

Leider verringert sich auch mit der montierten Anzahl von Zwischenringen die Tiefenschärfe. Jetzt kann die Kamera zwar bis auf 2-3cm an das Objekt ran, aber die Tiefenschärfe beträgt nur noch wenige Zehntel Millimeter.

Auf dem Bild links ist alles außer einem kleinen Bereich rund um den aus dem Loch ragenden Niet (Schaft 0,3, Kopf 0,5mm) unscharf.

Selbst der Nietkopf ist bereits außerhalb des Tiefen-schärfebereichs.

Was tun?

Beim Stöbern auf einschlägigen www - Seiten bin ich immer wieder auf den Begriff Focus-stacking gestoßen.

Es gibt Software, mit deren Hilfe man ein Bild "scharfrechnen" lassen kann. 

Das wollte ich mir näher ansehen. Testversionen, die ich nach 30 Tagen mit fast 200 Euro in dauerhaft nutzbare Programme hätte umfunktionieren können, fielen dabei unter den Tisch,  z.B.  (Helicon Focus) .  Ich suchte für den Durchschnittsmodellbahner ein freeware-Programm und fand dies:  Combine ZP 

Leider nur in englisch verfügbar, aber es gibt dafür einige Anleitungen im Netz. Nach dem ich mich ein wenig vertraut gemacht habe, begann ich mit Testaufnahmen. Dafür nutzte ich den Anfang eines Zollstocks, weil man mit der Skala gleichzeitig die Erweiterung der Tiefenschärfe messen konnte. Der Kamera sollte man durch das Stativ und zeitversetzte Auslösung absolute Ruhe gönnen.

Ist alles eingerichtet, wird , beginnend mit der Frontseite, eine Aufnahme nach der anderen gemacht, immer jeweils mit verändertem Fokus. Da kommen bei notwendigen 4cm Tiefenschärfe schnell mal 14 - 18 Aufnahmen zusammen.

Mit diesen Aufnahmen wird anschließend das Programm Combine ZP gefüttert und dann heißt es 30 bis 50 Sekunden warten. Die folgenden Aufnahmen zeigen links das (normale) Ausgangsbild, aufgenommen mit Zwischenringen. 

Rechts das Ergebnis der Rechenleistung von Combine ZP:

Weil mich das Ergebnis überzeugte, habe ich dann angefangen, "richtige" Bilder von Modellen anzufertigen. Getroffen hatte es zunächst einen Harzer Schmalspurwagen der Fa. KEHI.

Zunächst aus einer Entfernung von ca. 15 cm fotografiert, habe ich dann für das FOCUS-STACKING 14 Bilder  mit jeweils nach hinten verschobenen Fokus geschossen. Dafür muß man am äußeren Ring des Objektivs wenige Millimeter drehen.

Zunächst das Ursprungsfoto:

 

Und nun das Ergebnis mit Combine ZP:

Ein weiteres Beispiel will ich noch anführen. Hier handelt es sich um das Dachgatter meines Schienenbusses, das ich allerdings nicht für das Modell verwenden konnte. Der Grund geht sicher aus den Makroaufnahmen hervor.

Bei der weiteren Arbeit mit dem Stacking-Programm mußte ich feststellen, daß Stativ und zeitversetzte Auslösung nicht ausreichén. Die Konturen der abgebildeten Gegenstände waren immer noch unscharf.  Um jegliche Eigenbewegung der Kamera zu vermeiden ist es erforderlich, das Klappen des Kameraspiegels zu unterbinden. Wie bei Filmaufnahmen erfolgt das Fokussieren nur mit dem Display und nicht mit Hilfe des Suchers, weil der Spiegel hochgeklappt ist. Bei der Auslösung des Bildes wird also wirklich nur die Blende bewegt. So sind die folgenden beiden Aufnahmen entstanden. Abstand Objektiv - Dachgatter = 4cm. ISO: Automatisch.

Hier zunächst die "normale" Aufnahme aus 4cm Entfernung:

Und hier das Focus-Stacking mit 18 Aufnahmen:


Im Stacking-Foto zeigen sich allerdings gelegentlich Lichtreflexe, die man aber mit einem Bildbearbeitungs-programm rückstandslos beseitigen kann.

Abschließend:

Heute gibt es im oberen Preissegment bereits Kameras, die intern mit einem Focus-Stackingprogramm arbeiten. Da erspart man sich die Arbeit am Rechner und auch mit der Kamera wird einiges leichter.

Nur sind für mich Preise zwischen 500 und 600 Euro leicht außerhalb der Reichweite. Da man aber solche absoluten Makrofotos auch nicht jeden Tag braucht bzw. anfertigen will oder muß, werde ich bei dieser kostengünstigen Variante der Bildbearbeitung bleiben.